Thomas in Estland

Nach Auslandssemester und Masterarbeit in Tartu - jetzt das richtige Leben in Tallinn

Mittwoch, Mai 28, 2008

Buch draußen und Heimreise

Hallo zusammen!

Nach zahlreichen Anfragen und Drängen von allen Seiten setze ich mich endlich nochmal hin und schreibe ein paar Zeilen. Ich hätte ja nie gedacht, dass das so schwer ist, wenn man arbeiten geht. Ich konnte auch nie verstehen, warum, als ich noch Student war, meine Freunde, die bereits arbeiteten, so lange für die Antwort auf meine Emails brauchten. Nun, jetzt kapier ichs.

Also, was ist los in meinem Leben? Mein Mitbewohner zieht leider Ende Juni aus, er will mit seiner Freundin den Sommer auf dem Land verbringen. Das ist sowas typisch Estnisches: Hier hat jeder ein Sommerhaus irgendwo im Wald, möglichst weit weg von anderen Wesen, wo er sich entspannt. Fließendes Wasser muss nichtmal sein, Hauptsache man hat seine Ruhe. Esten sind halt gern allein. Die Konsequenz: Ich muss einen neuen Mitbewohner suchen, eine neue Wohnung, oder aber die Miete allein zahlen. Momentan erwäge ich Letzteres und bin mit der Vermieterin in harten Verhandlungen.
Da der Markt in Estland gerade sehr mieterfreundlich ist, hoffe ich einiges rausschlagen zu können. Das Problem hier ist, dass wie in den USA die Immobilien im Zuge des enormen Wirtschaftswachstums überbewertet wurden, und nun kehrt man zur Realität zurück. Preise fallen, die Zahl verfügbarer Wohnungen steigt zur gleichen Zeit: Gute Zeiten also für Mieter wie mich. Auch zum Kaufen einer Wohnung, was ich zeitweise mal überlegt hatte, aber ich warte lieber noch was. Das ist mir zu groß im Moment.

Um mal etwas mehr von der estnischen Stimmungslage zu erzählen:
Man ist enorm enttäuscht, dass es der estnische Beitrag "Leto Svet" nicht bis ins Finale des Eurovision geschafft hat. Das ist mir prinzipiell so egal wie das schlechte Abschneiden der No Angels, allerdings muss man den estnischen "Künstlern" zugute halten, dass sie ihrer Linie treu blieben. Alle Esten fanden die Gruppe zum Schießen komisch, nur leider wendete der Rest Europas (verständlicherweise) den Blick vom Fernseher, als sie auftraten. Naja, es folgten die üblichen Schuldzuweisungen und wie ach so schlimm es doch ist usw. Was solls - ist doch eh alles Unsinn.
Viel wichtiger ist dass die Esten sehr pessimistisch in die Zukunft schauen, weil alles teurer wird, aber das Wachstum nachlässt, die Bevölkerung kleiner anstatt größer, und überhaupt alles schlecht ist. Naja, der Durchschnittslohn stieg um satte 19,5% im Vergleich zum letzten Jahr - muss man ja auch mal hervorheben. Bedauerlich aber, dass er damit auf gerade mal 800 Euro (Brutto!) angestiegen ist. Wenn ich mir dazu anschaue, was hier ein normaler Einkauf im Supermarkt kostet, dann kann ich die miese Stimmung vieler Esten nachvollziehen. In den hiesigen Discountern kauft man noch etwas billiger ein als bei z.B. Lidl, aber in den Supermärkten der größeren Ketten (wie auch in denen, für die ich arbeite) ist es schon empfindlich teurer geworden. Ich würde so aus der Hüfte geschossen sagen, dass das Preisniveau irgendwo zwischen Lidl und Globus liegt. Im Verhältnis zu den Einkommen ... uffa.

Nuja, ich komm gut zurecht, und bin auch mit meinem Job extrem zufrieden. Ich suche zwar nach immer neuen Argumenten für einen Firmenwagen, weil das wär schon fein, aber ich muss mich wohl noch ein bisschen gedulden. Ansonsten reise ich recht viel zwischen Vilnius, Riga und Tallinn hin und her, was ich direkt mal als Ausrede für meine seltenen Blog-Einträge missbrauche.

Nun zu wirklich guten Neuigkeiten:
Mein Buch ist draußen! Jawoll! Wem danach ist, der suche in Google nach "seizing the potential of mobile tv" (in Anführungszeichen setzen bei der Suche). Es gibts schon bei Amazon, bod.de, buecher.de, und zahlreichen ausländischen Händlern. Auch in Estland, yeah! Gerade versuche ich, einem estnischen Technikmagazin einen Artikel über die Ergebnisse des Buches anzudrehen, so als Marketingmaßnahme.
Dem suchfaulen Leser seien hier ein paar Links gegeben:
http://www.buecher.de/shop/Buecher/Seizing-the-Potential-of-Mobile-TV-in-Estonia/Muench-Thomas/products_products/detail/prod_id/23826259/
http://www.bod.de/index.php?id=296&auto_id=185909
http://www.amazon.de/Seizing-Potential-Mobile-TV-Estonia/dp/3639010140/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1210977571&sr=8-1
(leider noch ohne Bild - müsste aber bald kommen).

Ich verdiene nicht wirklich viel daran, ca. 3,50 Euro / Buch. Und ich erwarte auch nicht grad, dass es reißenden Absatz findet. Aber hauptsach mal ein Buch rausgebracht. :-)


In 10 Tagen endlich fahre ich von hier los, den weiten Weg bis nach Ellenz. Ele kommt mit, und wir nehmen eine deutsche Freundin von mir mit, die hier wohnt, und gerne nach Leipzig würde. Dann bleiben wir eine gute Woche daheim und nehmen auf dem Rückweg einige Möbel und auch meinen Vater von daheim mit. Im Gegensatz zu den Möbeln bleibt der aber nur paar Tage hier in Tallinn. Anschließend kommt meine Mutter mit zwei Kolleginnen vorbei, und Anfang Juli auch schon meine alte Estnisch-Kurs Kollegin Romy. Das klingt alles stressig, heißt aber nicht, dass ich keine Kapazitäten frei hab für weitere Besucher ;-)


Im August dann geht Ele für ein halbes Jahr nach Konstanz zum Studieren. Ich lege daher Ende August auch mal einen kurzen Heimaturlaub am Bodensee ein. Schon praktisch wenn man Leute im "Ausland" kennt - die kann man dann einfach mal besuchen fliegen.

Diesmal gabs keine Bilder, tut mir leid. Hoffe es war trotzdem durchzuhalten.

Viele liebe Grüße nach Hause und überall in die Welt wo jemand diesen Blog liest!
Thomas

2 Comments:

At 1:13 nachm., Anonymous Julia said...

JAAAAA!!! Ich dachte schon, Du bist in Estland verschollen gegangen.
Also, wenn Ihr Zeit haben solltet, irgendwann, dann sagt Bescheid, vielleicht schaffen wir's ja, Eis zu essen (oder sogar Pasta... )...
Lieben Gruß
Julia

 
At 11:27 nachm., Blogger romy-basaldella said...

ich weiss ja dass ich mal wieder älter werde bald, aber alt?? naja, wenn dann ist der estnisch kurs alt, ich bin noch taufrisch und freu mich schon auf tallinn

 

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